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Wissen und Rechte

Publikationsberatung an Hochschulen

Wir erleben einen Umbruch des wissenschaftlichen Publikationswesens. Mit der zunehmenden Bedeutung von Open Access ändern sich die Publikationsbedingungen. Die Überlegung: Öffentlich geförderte Forschung soll frei zugänglich sein. Dafür bedarf es der Weiterentwicklung bestehender Infrastrukturen: für Bereitstellung, Sichtbarkeit und Langzeitarchivierung von digitalen Publikationen. Das setzt zugleich die Wissensvermittlung an Forscher*innen voraus und stellt die Publikationsberatung an Hochschulen vor neue Herausforderungen. 

Der Begriff „Publikationsberatung“ – hier im übergreifenden Sinne und Open Access-Beratung mit einschließend – ist nicht institutionalisiert. Ihr werdet u.U. andere Begriffe kennen, die sich auf diesen Service oder einen Teilaspekt davon beziehen: etwa Publikationsservices, Forschungsunterstützung, Publikationsförderung. Grund dafür ist, dass unterschiedliche Stellen wie Bibliothek, Forschungsservice, IT und Qualitätsmanagement etc. Forscher*innen bei der Publikation unterstützen. 

Publikationsberatung an Universitäten 

Mit Fokus auf Universitäten untersucht der Grazer Sammelband Publikationsberatung an Universitäten von Karin Lackner, Dr. Lisa, Schilhan und Christian Kaier (Bielefeld 2020) erstmalig vollumfänglich die Frage, vor welchen Herausforderungen diese Serviceleistungen heute stehen. Das Buch möchte einen Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services bieten. Wir haben Christian Kaier kontaktiert und seines Erachtens stellt der geringe Kontakt, den Bibliothek, Forschungsservice, IT und Qualitätsmanagement etc. untereinander haben, eine der größten Herausforderungen dar. 

Zentral organisierte Scholarly Communication Offices als Anlaufstellen, wie aus dem angloamerikanischen Raum bekannt, gibt es in Österreich und auch in Deutschland nicht. An der Universitätsbibliothek Graz bündeln sie die Publikationservices. Die Webseite der Bibliothek stellt umfängliche Informationen zum wissenschaftlichen Publizieren, zur Publikationsförderung, Sichtbarkeit, Bibliometrie, Forschungsdatenmanagement, Workshops, (Open Access-)Publikationen und Vorträgen sowie einen Literaturservice für Blinde und Informationen für Schüler*innen zur Verfügung. 

Publikationsberatung berührt Mittelbauinteressen 

Im Beschreibungstext des Buches Publikationsberatung an Universitäten heißt es: Publikationsberatung „stellt eine erfolgreiche Verbreitung von Forschungsergebnissen sicher und unterstützt vor allem junge Forschende“. Nachwuchswissenschaftler*innen – so hat die jüngste Diskussion um das Wissenschaftszeitvertragsgesetz gezeigt – sind Publikationsdruck und großem Wettbewerb um wenige unbefristete Stellen in der Wissenschaft ausgesetzt. Publikationsberatung berührt daher auch Mittelbauinteressen. Gute Beratung weiß um die Herausforderungen auf dem wissenschaftlichen Arbeitsmarkt und nimmt dieses Wissen kritisch in sich auf; Mittelbauinitiativen auf der anderen Seite kennen den Zusammenhang zwischen Publikationsliste und Karrierechancen. Gute Publikationsbedingungen sind daher sowohl den Servicestellen an den Hochschulen als auch Mittelbauinitiativen ein Anliegen.

Unseres Erachtens ist deshalb gerade die Zusammenarbeit verschiedener Aktanten wichtig, um die Publikationsberatung zu stärken. Als Arbeitskreis Erstveröffentlichung setzen wir uns für gute Arbeits- und Publikationsbedingungen ein. Auch die kürzlich gestartete Initiative Respect Science stößt die Diskussion an und entwickelt eine Öffentlichkeitsstrategie für gute Anreize in der Wissenschaft. Als zentrales Problem haben sie den Publikationsdruck identifiziert.

Wo bekommt ihr weitere Informationen? 

Für das Thema „Publikationsförderung“ gibt es in Österreich eine zentrale Übersichtsseite. Informationen gibt es darüber hinaus in vielfacher Form auf Webseiten, bei Open Access Talks, in Webinaren etc. Mehr und mehr laden Institutionen ihre Unterlagen auf Zenodo hoch. Werft einmal einen Blick hinein. Für Berlin empfehlen wir euch, auf den Webseiten der Hochschulbibliotheken zu recherchieren; dort findet ihr bei Fragen auch die richtigen Ansprechpartner*innen.

Am Margherita-von-Brentano-Zentrum der Freien Universität Berlin gibt es den Arbeitsbereich Publikationsförderung in der Geschlechterforschung. Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass der Frühjahr-Lockdown 2020 deutliche Unterschiede in der Publikationstätigkeit zwischen Professorinnen und Professoren sichtbar werden ließ – dies nicht nur wegen Kinderbetreuung, sondern auch wegen Online-Lehre.

Bezüglich Open Access verweisen wir euch an das Open Access Büro-Berlin sowie das Netzwerk Open Access für den deutschsprachigen Raum.