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Wissen und Rechte

Was ist das Gesetz über Urheberrecht?

Wir stellen uns vor: Nach einer Konferenz habt ihr einen Vortrag zu einem Aufsatz umgeschrieben. Das Thema stellt eine Forschungslücke und daher ein Desiderat dar. Ihr freut euch, damit am Diskurs teilzuhaben. Der Aufsatz soll als Beitrag in einem wissenschaftlichen Sammelband erscheinen. Der Band wiederum soll bei einem bekannten Verlag erscheinen, der euch Sichtbarkeit garantiert, Rezensionen und hoffentlich weiteren Austausch mit Kolleg*innen verspricht. Soweit so gut. Aber was bedeutet die Veröffentlichung für euch als Urheber*in des Textes?

Zur Geschichte des Gesetz über Urheberrecht

„Was früher nur einige Künstler und Verlage berührte,“ schreiben die Autor*innen auf der Dossierseite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), „regelt heute den Großteil unserer Kultur- und Wissens-Wirtschaft – und zunehmend unseren Alltag: Ob Handy-Fotos, Computerspiele, Präsentationen in der Schule, Videos aus dem Urlaub – sie alle werden vom Urheberrecht geschützt“ (bpb, Dossier Urheberrecht, Zugriff 04. Okt 2020). Dabei muss das Gesetz die widerstreitenden Interessen von Urheber*innen, Verlagen, der Öffentlichkeit sowie von Verwertungsgesellschaften in sich aufnehmen.

Das heutige Gesetz geht auf Entwicklungen in Folge der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück. Die technischen Möglichkeiten der effizienteren Herstellung von Printprodukten machte es notwendig, die Frage der Originalität eines Textes juristisch zu fassen. Nun da eine bezahlbare und weit verbreitete Printkultur entstanden war, erstritten Verlage, Druckereien und schließlich auch Autor*innen und Urheber*innen mehr und mehr Rechte. Der wachsende Buchhandel manifestierte schließlich die Frage von Originalität, geistigem Eigentum, Gesetz an der Urheber*innenschaft. „Die noch heute gültige, zentrale Norm zum Urheberrecht in Deutschland,” schreiben die Autor*innen von Urheberrecht.de, “trat am 01. Januar 1966 unter dem Titel „Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte“ in Kraft. Dieses ist auch unter dem Kurztitel „Urheberrechtsgesetz“ (UrhG) geläufig und wird regelmäßig ergänzt sowie überarbeitet.“ (Urheberrecht.de, Zugriff 04. Okt 2020).

Welche Gesetzesänderungen hat es in letzter Zeit gegeben?

Am 20. Mai 2021 wurde die Urheberrechtsreform vom Bundestag verabschiedet. Für einen Überblick, was sich ändert, empfehlen wir euch den Beitrag der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF).

Der digitale Wandel bringt neue Herausforderungen mit sich, was die Interessen bezüglich Nutzung und Verwertung von Texten angeht. Nachdem zuletzt im April 2019 eine neue EU-Urheberrechtsnovelle verabschiedet wurde, die nun bis Mitte 2021 umzusetzen ist, fordern der Verband Deutscher Schriftsteller*innen in ver.di (VS) sowie der Verband deutschsprachiger Übersetzerinnen und Übersetzer (VdÜ) literarischer und wissenschaftlicher Werke die Festlegung von „Branchenregelungen in Form von Tarifverträgen oder gemeinsamen Vergütungsregelungen, eine Stärkung der Verwertungsgesellschaften wie der VG-Wort, ein kollektives Klagerecht und die Vergütung von Inhalten, die auf Internetplattformen genutzt werden. “ (ver.di publik, 6, 2020, S. 3).

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Ihr habt eine Publikationszusage! Was ist jetzt wichtig?

Zurück zu unserem Beispiel. Wie seid ihr durch das Gesetz über Urheberrecht geschützt? Zunächst einmal gilt: Euer Text ist euer geistiges Eigentum, ihr besitzt das Recht am Werk. Wenn ihr einen Vertrag zur Veröffentlichung unterschreibt, tretet ihr bestimmte Rechte an den Verlag ab. Welche das sind, könnt ihr dem Vertrag entnehmen: Dort muss festgehalten werden, zu welchen Konditionen der Verlag euren Text kommerziell vertreiben wird, wie er euch in den Erlös mit einbinden wird und welche Rechte ihr an der weiteren Nutzung (ggf. Zweitveröffentlichung oder Open Access-Publikation nach einer gesetzten Frist) des Textes habt. Solltet ihr euch bei der Unterzeichnung des Vertrags oder der Beitragseinwilligung unsicher sein, könnt ihr den Gesetzestext über Urheberrecht hier nachlesen.

Insbesondere in der Wissenschaft kommt es sehr selten vor, dass Autor*innen am Ertrag des verkauften Werkes mit einbezogen zu werden. Ihr habt jedoch das Recht – sofern noch nicht getan –, eure Publikationen bei der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) anzumelden. Die VG Wort setzt sich für die Urheber*innen ein und ermöglicht euch, mit euren registrierten Texten an den jährlichen Ausschüttungen teilzunehmen.

Wie ihr euch bei der VG Wort registrieren könnt und in einem zweiten Schritt eure Texte auf dem Meldeportal angebt, haben wir euch hier zusammenfasst.

Relevante Webseiten für weitere Recherchen

Den Gesetzestext des Urheberrechts könnt ihr im Internet nachlesen. Die Webseite Urheberrecht.de stellt Informationen zu den unterschiedlichen Aspekten des Urheberrechts sowie dem gewerblichen Rechtsschutz kurz, prägnant und verständlich aufbereitet zur Verfügung. Im Dossier Urheberrecht der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) findet ihr anschauliche Grafiken und Quellenmaterial rund ums Thema: Urheberrecht im Alltag, Grundlagen des Urheberrechts und zu den Deutschen Verwertungsgesellschaften. Einschlägige Artikel zum Thema Urheberrecht schließlich stellt das Nachrichtenportal ZEIT Online der Wochenzeitung DIE ZEIT auf ihrer Themenseite vor. Lektoriert oder übersetzt ihr selbst, dann schaut doch einmal auf den Webseiten des Verband der freien Lektorinnen und Lektoren (VfLL) sowie des Verband deutschsprachiger Übersetzerinnen und Übersetzer (VdÜ) vorbei.

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