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Open Access

Open Access. Ein Einstieg

Mit Einträgen im Kritischen Wörterbuch Open Access beginnen wir die Diskussion zu den Herausforderungen und Chancen, die sich hinter dem Begriff open access (freier Zugang) verbergen. Dies ist ein solcher Eintrag. 

Welche Chancen bieten Open Access-Publikationen schon heute?

Die eigenen wissenschaftlichen Ergebnisse digital zugänglich zu machen oder doch lieber den klassischen Weg einer Publikation in Print über einen renommierten Verlag zu gehen? Oft scheint es, als ob sich Forschende zwischen dem einen oder anderen Weg entscheiden müssten. Dabei ist längst klar, dass digitale Publikationen (eBooks) heute zu einem gewissen Standard gehören und in den kommenden Jahren mehr und mehr an Bedeutung einnehmen werden. Und tatsächlich ist die Trennlinie nicht so scharf gezogen, wie eben skizziert.

Verlage haben längst erkannt, dass die den digitalen Wandel mitgestalten müssen – schon, um ihr eigenes wirtschaftliches Überleben zu sichern. Der klassischen Buchveröffentlichung wird somit in vielen Fällen oft eine eBook-Publikation an die Seite gestellt. Renommierte Zeitschriften veröffentlichen zum Teil ausschließlich digital. Zugleich ist ein Großteil der Forschung dabei nach wie vor von einer kostenpflichtigen paywall umgeben. Bei der Forderung nach kostenfreiem Informationsmaterial für die Nutzer*innen, scheinen Open Access-Publikationen somit als der Königsweg einer öffentlichkeitsorientierten und progressiven Forschungsgemeinschaft.

Rund eine Woche nach den Open-Access-Tagen 2020 (Bielefeld online) wollen wir euch in diesem Artikel einen ersten Überblick dazu geben, welche Herausforderungen und Chancen die Entscheidung für Open Access für euch bereithält.

Lohnt sich die Open Access-Publikation?

Wir wollen diese Frage genauer betrachten und unterscheiden dabei zwischen Wissenschaftsdisziplinen, die ihre Forschungsergebnisse stärker kollaborativ und vormals als Aufsätze in Zeitschriften herausbringen und Disziplinen, wie etwa den Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften, in denen längere monografische Veröffentlichungen eine entscheidende Rolle spielen.

Wenn ihr mit eurer Qualifikationsarbeit somit vor einer solchen Entscheidung steht, helfen zwei Fragen vielleicht weiter: Wie wichtig ist es euch persönlich, zum Schluss ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten? Und wie akzeptiert sind Open AccessPublikationen von Dissertationen bzw. Habilitationen in eurem Fachbereich? Dies variiert stark in den einzelnen Fachdisziplinen. Seid ihr unsicher, sprecht eure Betreuer*innen auf diese Frage an! Sucht die Diskussion dazu mit befreundeten Postdocs oder Professor*innen aus dem Fachbereich. Die meisten Universitätsbibliotheken haben inzwischen auch Stellen für Open Access-Beauftragte geschaffen, die euch beraten können. Auch besteht an den Hochschulen zunehmend die Möglichkeit, die Qualifikationsschrift für einen Bruchteil der (Verlags-)Kosten als kostenfreies Onlineangebot (wahlweise mit einer zusätzlich gedruckten Anzahl an schlicht gehaltenen Printausgaben) über die Universitätsbibliothek zu publizieren. Dies ist insbesondere für Personen, die nicht in der Wissenschaft bleiben wollen, eine gute Möglichkeit, den Titel zu erwerben, ohne dabei Druckkostenzuschuss und Lektoratskosten aufbringen zu müssen.

Disziplinen, in denen Ergebnisse kumulativ in Zeitschriften erscheinen, stehen Open Access sicherlich grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. In Disziplinen, die traditionell auf monografische Publikationen setzen, könnte eine reine Open Access-Publikation über den Bibliothekserver jedoch unter Umständen ein ungünstiges Signal für die eigene wissenschaftliche Karriere setzen.

Bieten auch Verlage die Option einer Open Access-Veröffentlichung an?

Während manche Verlagshäuser mittlerweile fast schon standartmäßig eine eBook-Ausgabe zur Printversion als Teil ihre Angebots anbieten, sind Open Access-Veröffentlichungen sehr kostspielig. Der Grund dafür ist, dass die Verlage den Ertragsausfall über den hohen Zuschuss ausgleichen müssen – den Ausfall, den sie normalerweise mit dem Verkauf des Buches erwirtschaftet hätten. Hierzu gibt es zunehmend nationale Förderstrategien (s. unten: Wer fördert Open Access?)

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Habt ihr eine Verlagszusage erhalten, fragt direkt im Lektorat nach, ob es eine gezielte Open Access-Option gibt und welche Kosten damit verbunden sind. Dies wäre schließlich das Beste beider Welten: der Name eines bekannten Verlagshaus auf dem Cover – das Buch auch kostenfrei zum Download verfügbar! Ob und wie diese Option möglich ist, hängt dabei von den Open Access-Strategien der Verlage ab. Manche etwa bieten zur Publikation ein kostenfreies PDF an, andere bieten die Option, das Buch für einen Zusatzbetrag und nach einer Frist kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Diese unterschiedlichen Open AccessStrategien sind auch unter den Namen goldener bzw. grüner Weg bekannt.

Wer fördert Open Access?

Lasst euch von euren Vertrauenspersonen an der Universität, den Mitarbeiter*innen eurer Bibliothek und dem Verlagslektorat beraten. Oft gibt es Fördertöpfe an den Bibliotheken, unter Umständen ist Geld über Drittmittel eures Clusters bzw. Netzwerks vorhanden – schließlich gibt es die Möglichkeit, gezielt die Förderung für eine Open AccessPublikation einzuwerben.

Auf der folgenden Seite findet ihr gebündelte Open Access-Informationen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). In der Schweiz und in Österreich bieten der Schweizerische Nationalfonds (SNF) zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) bzw. der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) Finanzierungsmodelle für Forschungsprojekte an.

Allgemeine Informationen zu Druckkostenzuschüssen und der Finanzierung von Publikationen haben wir euch außerdem hier zusammengestellt.

Wo gibt es weitere Informationen?

Schaut euch unbedingt einmal die Webseite des Netzwerks Open Access an. Neben Informationen und Recherchematerial finden sich hier immer auch wichtige Veranstaltungshinweise und Netzwerktips zu impulsgebenden Ereignissen und Entwicklungen. Unter open access.network entsteht ein BMBF-gefördertes neues zentrales Informations- und Vernetzungsangebot, das überregionalen und disziplinenübergreifenden Austausch schaffen soll. Dabei sollen zuverlässig Informationen hinsichtlich praktischer, organisatorischer und allgemeiner rechtlicher Fragestellungen des Open Access zur Verfügung gestellt und der Wissenschaft vermittelt werden. Die sogenannte Berliner Erklärung zu Open Access aus dem Jahre 2003 haben wir zur Definition herangezogen.