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Einblick ins Wissenschaftsmanagement

Austausch mit Dr. Sibel Vurgun
31. März 2021 über Arbeiterkind.de

Wer nach der Promotion nicht in die Forschung gehen möchte, hat vielfältige Optionen. Eine besonders spannende ist der Bereich des Wissenschaftsmanagements. Wissenschaftsmanager*innen arbeiten an der Schnittstelle von Wissenschaft und Verwaltung und leisten dabei häufig Übersetzungsarbeit in beide Richtungen. Arbeitsbereiche sind beispielsweise in Universitäten, Stiftungen und Forschungsfördereinrichtungen – Wissenschaftsmanager*innen sind also richtige Generalist*innen.

Dr. Sibel Vurgun studierte Mathematik und Französisch in Konstanz. 2005 promovierte sie dort und stieg im Januar 2006 in das Wissenschaftsmanagement ein, wo sie u.a. das erste universitätsweite Qualifizierungsangebot für Promovierende konzipierte.

Nach weiteren Stationen in der wissenschaftlichen Personalentwicklung an der Internationalen Graduiertenakademie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (2008-2010) sowie an der Dahlem Research School der FU Berlin (2010-2014) übernahm sie den Aufbau und die Leitung der Graduiertenakademie sowie der akademischen Personalentwicklung an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

2018 bis 2020 initiierte und koordinierte sie zudem (gemeinsam mit einer Kollegin) das UniWiND-Mentoringprogramm „AUFWiND – Ankommen, Unterstützen, Fördern: Das UniWiND-Mentoringprogramm für Wissenschaftsmanagerinnen und Wissenschaftsmanager im Bereich Wissenschaftliche Nachwuchsförderung“.

April 2019 wechselte sie an das Zentrum für Wissenschaftsmanagement e.V. (ZWM), wo sie bis Februar 2020 als Leiterin des Weiterbildungsbereichs tätig war. Nachdem sie Ende März 2020 ihre geplante, längere Reiseauszeit abbrechen musste, ist sie aktuell als Trainerin und Beraterin für Didaktik und E-Learning tätig.

Unsere Mitschrift zum Wissenschaftsmanagement 

Zum Berufsbild I. Was ist Wissenschaftsmanagement? 

  • Schnittstelle: Wissenschaft und Verwaltung 
    • Weiterentwicklung bestehender Strukturen
    • Profilbildung der Unis 
  • Junges Berufsfeld seit 1999/2000 
    • Seit dem hat es sich stark entwickelt, sich professionalisiert, sich institutionalisiert 
  • Aufbau, Struktur und Funktion von Hochschulen zu kennen, ist eine wichtige Voraussetzung 
  • Wissenschaftsmanager*innen sind Generalist*innen 

Was bringe ich mit? 

  • Min. M.A. / M.SC. oder PhD 
  • Fach eher zweitranging 
  • Expertise in … 
    • Organisationsvermögen 
    • Projektmanagement 
    • Drittmittelerfahrungen 
    • Konversation 

Im Klartext … 

  • Netzwerken können 
  • Sehr gute mündliche und schriftliche Kommunikation 
  • Teamfähigkeit 
  • Serviceorientierung 
  • Diversity und Gender Kompetenz 
  • Sprachen (Deutsch, Englisch) 

Wo arbeiten Wissenschaftsmanager*innen? 

  • Universitäten und Hochschulen 
  • Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen 
  • Stiftungen (bspw. Begabtenförderwerke) 
  • Institutionen und Fördereinrichtungen (bspw. BMBF, DFG) 
  • Zunehmend schreiben Universitäten direkt Stellen als Wissenschaftsmanager*in aus 
  • Einrichtungen zur Förderung der Wissenschaft (bspw. Berlin Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) 

Was sind Arbeitsbereiche? 

  • Forschungsförderung (Hilfe bei Drittmittelförderung) 
  • Koordination von Forschungsverbänden 
  • Nachwuchsförderung (Grad.Kollegs oder – Akademien) 
  • Studiengangsmanagement
  • Qualitätsmanagement 
  • Gleichstellungsbüros
  • Stabstellen 
  • Personal- und Lehre-Entwicklung 

Tipp: Sucht an euren Unis, welche Bereiche es dort gibt und wo dort Wissenschaftsmanager*innen arbeiten könnten? 

In welchen Positionen arbeiten Wissenschaftsmanager*innen? 

  • Referent*in 
  • Koordinator*in 
  • Leitungsposition oder Geschäftsposition 
  • Wissenschaftsmanager*in 

Zum Berufsfeld II. Was ist gut zu wissen? 

  • Aufhängung in der Verwaltung (Finanzierung (oft) über Drittmittelgelder) 
  • Mehrere Vorgesetzte 
  • Häufig(er) Befristung(en) 
  • Typisch: Neue Stellen, d.h. Selbstmanagement (Viel Selbster- und Einarbeitung) 
  • Entgeldgruppe E13 bis E15, TV-L, TV-ÖD
  • Lage Arbeitsmarkt relativ stabil 

Bewerbung 

Tipp: Schaut euch an: Welche Strukturen gibt es? Welche Themen werden in der Ausschreibung umrissen? Was sind es für Aktivitäten? 

Stellenportale: Zeit Online, academics, Netzwerk Wissenschaftsmanagement 

Typischer Einstieg 

  • Quereinstieg 
  • Keine Stufen, keine Schritte, die dahinführen 
  • Promotion 

Tipp: Elternzeitvertretung. Dies kann eine gute Möglichkeit sein, sich aus der Institution heraus auf eine weitere Stelle zu bewerben. 

Welche Laufbahnen gibt es? 

Tatsächlich bis jetzt keine klassischen Berufswege. Erst seit kurzem entsteht an den Universitäten die Professionalisierung der Konzepte für Stellenentwicklung etc. 

Was ist mit der Befristung? 

Vielfach gibt es auf 2 Jahre befristete Stellen. Diese Projektstellen werden jedoch u.U. mit Aussicht auf Verstetigung ausgeschrieben. Nachfragen, ob perspektivisch die Entfristung denkbar ist, ist eine legitime Frage.

Welche Kompetenzen sollte ich sonst mitbringen? 

Kommunikation ist A und O. Es ist wichtig, Konzepte nicht nur theoretisch denken und schreiben können (Stichwort Projektanträge), sondern auch sich die Frage beantworten können: Wie setze ich das um? 

Was kann ich jetzt – während der Promotion – bereits tun? 

  • Augen offen halten, was sind die Strukturen?
  • Welche Gremien gibt es an der Universität? 
  • Wie funktioniert das dt. / europäische Wissenschaftssystem? 

Tipp: Hilfskrafttätigkeit, Praktikum, Werkvertrag o. Ä. vermitteln Netzwerke und Praxiseinblicke 

Literaturtipps 

  • Seite des Netzwerks Wissenschaftsmanagement 
  • Mirjam Müller, Oliver Grewe, Wissenschaftsmanagement als Beruf. Strategien für den Einstieg, 2020.