Kategorien
News

Manifest

Mitbestimmung in der Wissenschaft stärken! Lest dazu unser Manifest.

„Das Recht, alles zu sagen, sei es auch im Zeichen der Fiktion und der Erprobung des Wissens; und das Recht, es öffentlich zu sagen, es zu veröffentlichen“[1], schreibt Jacques Derrida in Die unbedingte Universität. Veröffentlichen, so können wir mit Derrida festhalten, ist demnach auch eine Form wissenschaftlicher Mitbestimmung. Wie aber lässt sich der eigene Aufsatz in einem wichtigen Journal oder in einem Sammelband platzieren? Mit diesem Arbeitskreis gehen wir dieser Frage nach: Wir wollen ein selbstorganisiertes Netzwerk bilden, um den demokratischen Diskurs mit vielen verschiedenen Beiträgen zu stärken.

Neben regelmäßigen offenen Treffen, die wir im Moment im Rahmen der Berliner Promovierenden-Gruppe des Netzwerks ArbeiterKind.de Berlin ausrichten, bauen wir eine Webseite auf, auf der Ressourcen und aktuelle Nachrichten rund um das Thema Publizieren veröffentlicht werden.

Als Interessensvertretung von engagierten Studierenden, jungen Akademiker*innen und freien Autor*innen gegenüber etablierten Fachverlagen, Institutionen und Organisationen wollen wir als Arbeitskreis Erstveröffentlichung (AKE) Informations- und Mitbestimmungsarbeit leisten, indem wir Kontakte zu bestehenden Förderwerken, Basisorganisationen, Fachschaften, freie Initiativen, Blogs sowie Personal aus dem Verlagswesen und der Hochschulen knüpfen. Neben Rat bei konkreten Fragestellungen wollen wir einen gemeinschaftlichen Ort des Austausches für Foren, Werkstattgespräche und Workshops ermöglichen.

Dabei ist daran zu erinnern, dass sich klassen-, race- und geschlechterspezifische Mehrfachdiskriminierungen im akademischen Publikationswesen wiederfinden. Gegenüber der Exklusivität von Wissensproduktion einer weißen Norm(al)vorstellung fordern wir, dass Vertreter*innen marginalisierter communities mehr Zugang zu Forschungsgeldern und Infrastrukturen erhalten.[2] Genau dort wollen wir ansetzen, indem wir innerakademische wie gesellschaftspolitische Problemfelder als Frage der wissenschaftlichen Mitbestimmung, sprich der Veröffentlichung eigener Forschungsergebnisse, denken.

Wir denken … 

  • Wissen wird nie von einem neutralen Standpunkt aus gewonnen und muss deshalb immer auch kritisch ‚von unten‘ reflektiert werden,
  • eine kritische Transformation des akademischen und gesellschaftlichen (Wissens-)Kanons ist nur durch die Teilhabe marginalisierter communities möglich,
  • (1) der international zu beobachtende gesellschaftliche Rechtsruck, (2) die in vielen Teilen der Gesellschaft sichtbare Wissenschaftsskepsis und (3) das Scheitern der großen Verlage und Institutionen, die Impulse der zahlreichen Protestbewegungen der letzten Jahre aufzunehmen, hängen auf das Engste zusammen.

Unser Ziel mit diesem Arbeitskreis ist es deshalb, nicht nur einen kritischen Beitrag zur gegenwärtigen Debatte liefern, sondern grundsätzlich eine gesellschaftliche Transformation herbeiführen, die – wie wir fest glauben – allen Menschen, ihren staatlichen und privaten Institutionen sowie den produzierenden Betrieben, und der Natur zugute kommen wird. 


[1] Jacques Derrida: Die unbedingte Universität, übers. v. Stefan Lorenzer, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001 (=edition suhrkamp, 2238), S. 14.

[2] Vgl. in diesem Zusammenhang Kelly, Natasha A., Afrokultur. „Der raum zwischen gestern und morgen“, Münster, 2016, S. 175.